Der Yorkshire Terrier ist das beste Beispiel dafür, wie sehr Größe die Wahrnehmung verzerrt. Er wiegt drei Kilo, passt in eine Handtasche und wird deshalb behandelt wie ein Accessoire. Tatsächlich ist er ein Terrier, gezüchtet für die Rattenjagd in englischen Textilfabriken: mutig, laut, meinungsstark und völlig unbeeindruckt davon, dass der Schäferhund gegenüber zwanzigmal schwerer ist. Die meisten Probleme mit dieser Rasse entstehen, weil niemand sie ernst nimmt.
Kurzprofil Yorkshire Terrier
- Herkunft: Grafschaft Yorkshire, England, gezüchtet im 19. Jahrhundert zur Rattenjagd in Fabriken und Minen
- Größe: Etwa 20 bis 23 cm, bis 3,2 kg laut Rassestandard
- Fell: Lang, seidig, glatt herabfallend, stahlblau mit hellbraunen Abzeichen, kaum Unterwolle
- Lebenserwartung: 13 bis 16 Jahre
- Charakter: Selbstbewusst, wachsam, anhänglich, mutig bis übermutig, sehr mitteilungsfreudig
Charakter: Ein großer Hund in klein
Der Yorkshire Terrier hat keinerlei Vorstellung davon, dass er klein ist. Er meldet Besuch, verteidigt seinen Platz und geht auch größeren Hunden entgegen, wenn ihm etwas nicht passt. Diese Selbstsicherheit ist charmant, solange sie in geordneten Bahnen läuft, und wird schnell zum Problem, wenn ihm niemand Grenzen setzt.
Er hängt eng an seinen Menschen und will überall dabei sein. Gleichzeitig ist er aufmerksam und reagiert auf jedes Geräusch im Treppenhaus. Bellen ist bei ihm keine Störung, sondern Berufsauffassung. Ob daraus Dauergebell wird, entscheidet sich in den ersten Monaten.
Seine Vergangenheit als Rattenfänger erklärt fast alles: den Mut, die Schnelligkeit, den ausgeprägten Beutetrieb und die Bereitschaft, selbstständig zu handeln. Wer ihn wie einen Schoßhund behandelt, nimmt ihm genau das, was ihn ausmacht, und bekommt dafür einen nervösen, überforderten Hund zurück.
Fünf Punkte, die den Unterschied machen
1. Das Fell ist ein täglicher Job
Das lange Haarkleid des Yorkshire Terriers wächst kontinuierlich, ähnlich wie menschliches Haar, und verfilzt ohne Pflege schnell. Wer die volle Länge will, muss täglich bürsten und regelmäßig zum Hundefriseur. Die meisten Halter entscheiden sich für einen kurzen Schnitt, und das ist völlig in Ordnung. Rechne dann trotzdem mit einem Termin alle sechs bis acht Wochen. Wer Fellpflege unterschätzt, hat nach vier Monaten einen verfilzten Hund, dem nur noch die Schermaschine hilft.
2. Die Zähne sind die größte Baustelle
Kleine Rassen haben dieselbe Anzahl Zähne wie große, nur deutlich weniger Platz dafür. Zahnstein, Zahnfleischentzündungen und früher Zahnverlust sind beim Yorkshire Terrier ausgesprochen häufig. Dazu kommt, dass Milchzähne oft nicht von selbst ausfallen und gezogen werden müssen. Zahnpflege ist bei dieser Rasse kein Extra: Ohne regelmäßiges Zähneputzen und gelegentliche professionelle Reinigung unter Narkose verliert er Zähne, lange bevor er alt ist.
3. Patellaluxation und Trachealkollaps
Die Verlagerung der Kniescheibe ist bei kleinen Rassen verbreitet und kann von leichtem Hüpfen im Gang bis zur Operation reichen. Beim Trachealkollaps wird die Luftröhre instabil, was sich durch ein typisches gänseartiges Husten zeigt. Wegen Letzterem gehört ein Yorkshire Terrier an ein Geschirr und nicht an ein Halsband, das ist keine Geschmacksfrage. Dazu kommen Lebershunt und eine Neigung zu Unterzuckerung bei Welpen.
4. Klein bedeutet nicht wenig Erziehung
Vieles, was man einem großen Hund niemals durchgehen ließe, wird beim Dreikilohund geduldet: Anspringen, Bellen, Knurren am Futternapf, auf den Arm genommen werden, sobald es unangenehm wird. Genau daraus entsteht der Ruf, Yorkshire Terrier seien Kläffer. Sie sind es nicht von Natur aus, sie werden dazu gemacht. Er braucht dieselben klaren Regeln wie jeder andere Hund. Wie du Leinenprobleme vermeidest, steht in unserem Ratgeber Hund zieht an der Leine, und wie die ersten Monate insgesamt aufgebaut sind, in unserem Buch Welpenerziehung & Junghundtraining.
5. Vorsicht bei Zwergwuchs-Angeboten
Begriffe wie Teacup-Yorkie, Mini-Yorkie oder Toy-Yorkie sind keine anerkannten Varianten, sondern Verkaufsargumente. Hunde unter dem Rassestandardgewicht sind überdurchschnittlich häufig krank: brüchige Knochen, Unterzuckerung, Herz- und Leberprobleme. Ein Welpe aus geprüfter Zucht über den VDH kostet 1.200 bis 1.800 Euro. Wer deutlich billiger anbietet und dabei mit extremer Kleinheit wirbt, verkauft ein Gesundheitsrisiko.
Haltung: Was er wirklich braucht
- Ein Geschirr statt Halsband. Wegen der empfindlichen Luftröhre keine Option, sondern Pflicht.
- Tägliche Fellpflege oder ein kurzer Schnitt. Beides ist richtig, nur nichts von beidem ist falsch.
- Zahnpflege von Anfang an. Zähneputzen als Routine, solange der Welpe es noch entspannt lernt.
- Ernst gemeinte Erziehung. Dieselben Regeln wie für große Hunde, nur in klein.
- Echte Hundekontakte. Er muss lernen, mit anderen Hunden umzugehen, statt ständig hochgehoben zu werden.
Für wen passt der Yorkshire Terrier?
Für Menschen in Wohnungen und Städten, die einen kleinen, lebhaften Begleiter suchen und bereit sind, ihn wie einen richtigen Hund zu behandeln. Für alle, die Zeit für Fell- und Zahnpflege haben oder das Geld für den Hundefriseur einplanen. Und für Halter, die einen wachsamen, meinungsstarken Hund charmant finden statt anstrengend.
Nicht für Familien mit sehr kleinen Kindern, denn ein Dreikilohund ist zerbrechlich und wehrt sich, wenn er bedrängt wird. Nicht für Menschen, die absolute Ruhe wollen. Und nicht für alle, die einen Hund suchen, den man einfach mitnimmt, ohne ihn zu erziehen. Wer es kleiner und ruhiger mag, findet im Havaneser die gelassenere Alternative.
Häufige Fragen
Haart der Yorkshire Terrier? Kaum. Sein Haar wächst durchgehend, statt im Zyklus auszufallen. Deshalb gilt er als vergleichsweise geeignet für Allergiker, wobei es keine allergiefreien Hunde gibt und die Reaktion individuell bleibt.
Reicht ihm die Wohnung als Auslauf? Nein. Er braucht täglich echte Spaziergänge, Nasenarbeit und Kontakt zur Außenwelt. Sein Bewegungsbedarf ist kleiner als bei großen Rassen, aber nicht null.
Verträgt er sich mit Katzen? Wenn er sie von klein auf kennt, meistens ja. Sein Beutetrieb ist allerdings ausgeprägt, bei später zusammengeführten Tieren braucht es Geduld und Aufsicht.
Stahlblau und Gold im Bild
Das lange, seidig glänzende Fell in Stahlblau und Gold ist ein Geschenk für jedes Portrait. Besonders gut kommt es in Aquarell zur Geltung, weil dieser Stil die weichen Übergänge im Haar aufnimmt. Fotografiere ihn auf Augenhöhe, also im Zweifel im Liegen auf dem Boden, und nicht von oben herab. Von oben fotografierte kleine Hunde wirken auf dem fertigen Bild immer gedrungen. Mehr dazu in unseren Foto-Tipps.
Drei Kilo Hund, ein großes Bild: Das Missverhältnis ist der halbe Witz daran. Auf Acrylglas bekommt das Stahlblau den Glanz, den das Fell frisch gebürstet auch hat. Poster, Leinwand und Holzrahmen stehen daneben bei den Hundeportraits.
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